Woran man Wertschätzung erkennt

Woran erkennt man eigentlich Wertschätzung? Das ist in meinen Augen ja zunächst eine Haltung anderen Menschen gegenüber: Grundsätzlich den anderen respektvoll behandeln und in seiner Einzigartigkeit schätzen. Der Duden spricht von „Ansehen, Achtung, Anerkennung, hohe Einschätzung“ (www.duden.de).

Ich glaube, allein eine grundsätzliche Haltung der Achtung vor anderen zu haben, ist schon im Alltag nicht immer ganz leicht. Man denke z.B. daran, wie schnell wir im Berufsverkehr glauben: „Die können alle nicht Autofahren!“ Oft schimpfen wir sogar, und wie oft schimpfen wir über Kolllegen und deren Verhalten oder über andere Menschen, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Oft stoßen einfach unterschiedliche Interessen aufeinander und führen zu Konflikten. Schnell werten wir dann den anderen erst einmal ab. Ist das wertschätzend? Wohl kaum.

Wie ist es als Führungskraft, wertschätzend zu führen? Geht es dabei nicht darum, die Leistung des Einzelnen zunächst anzuerkennen und auch seine Potenziale zu sehen und zu fördern, weil man eben die Person wertschätzt? Jeder Mensch hat ja bestimmte Begabungen, die man als Führungskraft fördern oder unterdrücken kann. Das geschieht durch Feedback, oder auch dadurch, gar kein Feedback zu geben, oder auch durch die Art der Aufgaben, die man delegiert, durch die Form der Delegation, durch die ganz normale Alltagskommunikation. All das kann mit Achtung und Respekt geschehen oder abwertend. Sogar, wenn die Leistung nicht gut ist, ist die Kunst, das so zu vermitteln, dass der andere sich als Person noch wertgeschätzt fühlt. Das ist dann schon für Fortgeschrittene.

Was Wertschätzung nicht ist, ist in meinen Augen aufgesetzte Freundlichkeit, betonte positive Emotionalität, so übermäßig viel Zeit investieren, dass es schon eher aufhält als nutzt. Fühlt der andere sich wertgeschätzt, wenn ich ihm meine Idee von Wertschätzung aufdrücke? Ich glaube, Wertschätzung ist nicht für jeden gleich, wir empfinden unterschiedliche Verhaltensweisen als wertschätzend. Und alles Übertriebene funktioniert meistens nicht gut.

Und da ist er, der ganz schmale Grat: Wertschätzung wirkt nicht, wenn sie gespielt wird, sie muss authentisch sein. Der andere spürt, wenn man ihn eigentlich weder mag noch respektiert, und dann wirkt die Freundlichkeit nur als Puffer gegen allzugroße Konflikte. Aber es ist eben kein echter Kontakt zum anderen da. Wäre es dann nicht wertschätzender, die schwelenden Emotionen anzusprechen? Wahrscheinlich geht das nicht immer, aber versuchen könnte man es ja.