Stress und Konflikte

Wie würden Sie mit dieser Situation umgehen:

Sie kommen in eine neue Abteilung/Unternehmensbereich/Firma, und dort herrscht, von der Führungsebene geduldet, folgende Arbeitshaltung: Es wird jeden Tag bis spät in die Nacht gearbeitet, alle sind 24 h über Handy erreichbar, und die nicht bewältigten Aufaben werden am Wochenende erledigt. Sie haben Privatleben, Familie, Kinder, Hobbies und kommen zu nichts mehr davon. Monatelang. Realität in vielen Jobs. Was tun Sie?

Die Möglichkeiten sind ja mannigfaltig. Kurz gesagt aber: Hinschmeißen, Mitmachen, Anderssein.
Die ersten beiden können die Richtigen sein. Das ist eine persönliche Entscheidung.

Reden wir einmal über das Anderssein. Wir alle haben das Bedürfnis, zu Gruppen dazuzugehören, haben vielleicht auch Angst, den Job zu verlieren, als leistungsschwach betrachtet zu werden, nur die langweiligen Aufgaben zu bekommen – wenn wir anders sind. Zugehörigkeit ist lebensnotwendig, und kaum jemand kann es sich erlauben, seine Existenz zu riskieren. Das ist einer der Gründe, die ehrliches Feedback an Geschäftsleitungen verhindern.

Wenn wir überlastet sind, müßten wir eigentlich mehr auf unser Bedürfnis nach Ruhe achten. Mit dem Ausscheren, dem Meinung äußern und dem Beachten unserer Bedürfnisse erzeugen wir aber Konflikte mit unserer Umgebung. Mit denen müssen wir dann umgehen, das haben wir nicht gelernt, das empfinden wir als anstrengend, vielleicht sogar bedrohlich. Hier kommt die oben erwähnte Angst ins Spiel.

Letztlich muss sich jeder, der in eine so unangenehme Situation gerät, die Frage stellen: Ist es leichter, den Umgang mit Konflikten und die Selbstbehauptung zu lernen, oder ist es leichter, es zu erdulden oder zu kündigen?

Diese Entscheidung treffen wir selbst, und nur wir. Wir haben die Wahl, es anders zu machen. Das bedeutet aber auch, dass uns das keiner abnimmt. Die Verantwortung für uns selber haben wir.