Selbstoptimierung

Wenn ich mir anschaue, wie von Menschen um mich herum das eigene Leben und Selbst immer mehr verbessert und verschönert wird, dann frage ich mich, ob wir als Menschen dem daraus erwachsenden Stress noch lange gewachsen sind. Und mein Eindruck ist, dass bei den nicht ganz so Optimierungsbegeisterten ein schaler Geschmack bleibt, weil sie um sich herum und in den Medien nur Menschen sehen, die so glücklich sind mit ihrem optimierten Leben und die auch schwerste Krisen mit Bravour meistern.

Kaum jemand lebt einfach so vor sich hin und ist zufrieden damit. Heutzutage sollte man immer nach mehr und besser streben. Ich frage mich, ob diese gesellschaftliche Entwicklung vielfach zu Unzufriedenheit führt, da wo sie gar nicht angebracht wäre. Manch einer hat vielleicht ein schönes, ganz normales Leben, aber glaubt, dass es nicht gut genug ist, weil er Montags keine Lust hat, zur Arbeit zu gehen. Und eigentlich müßte man Montagmorgens doch jubelnd aus dem Bett springen, zumindest, wenn es der wirklich richtige Job, die Bestimmung wäre. Stattdessen ist man müde und hat keine Lust, nach dem Wochenende wieder arbeiten zu gehen. Vielleicht ist das ja auch vollkommen normal.

Inzwischen zweifeln Menschen an sich selbst, die keinen übermäßigen Ehrgeiz verspüren und ihr Leben so, wie es ist, eigentlich ganz in Ordnung finden. Ihre Chefs fragen, was sie denn noch alles erreichen wollen. Und wenn die Antwort ist: “Ich bin zufrieden”, dann führt das eher zu Irritationen als Gratulationen.

Ich glaube, wir sollten wieder lernen, die Dinge, die gut sind, auch zu sehen und wertzuschätzen. Ehrgeiz ist gut und richtig. Aber ich glaube nicht, dass ständige Selbstoptimierung uns zu einem glücklicheren Leben verhilft.