Kurze Auszeiten

Momentan höre ich von vielen Menschen, die in ihrem Leben diverses ändern möchten. So, als wäre das Jahr 2012 das Jahr, in dem man sein Leben ordnet.

Dazu gehört bei manchen auch, sich mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Das ist in meinen Augen stets eine blendende Idee. Ich höre immer wieder, dass Menschen arbeiten und arbeiten, dann in der knapp bemessenen Freizeit eher leistungsorientiert Sport treiben (schlank und fit sein erfordert ja auch etwas Ehrgeiz) und schließlich als “Hobby” Fachliteratur lesen, an Projekten arbeiten oder Netzwerken. Natürlich trifft man sich auch mit seinen Freunden und fährt auch mal in Urlaub. Aber eine ausgiebige Ruhephase von mehreren Stunden, einfach mal wirklich loslassen und sich tief entspannen, mit Ruhe etwas tun, was man allein tut und einem wirklich Freude macht – das tun die wenigsten. Meist sind sie dann so müde, dass sie einschlafen.

Dieses “mit-sich-alleine-sein” und dabei eine schöne Zeit haben, will auch gelernt sein. Zunächst muss man es schaffen, von der arbeitsbedingt hohen Schlagzahl runterzukommen. Als nächstes will das schlechte Gewissen besiegt werden, das sich einstellt, wenn man in der Freizeit nicht die lange To Do Liste aus dem privaten Bereich abarbeitet. Und schließlich kommen in Ruhephasen bisweilen auch weggeschobene anstrengendere Emotionen zum Vorschein, und sei es nur Einsamkeit, und auch mit denen muss man zunächst umgehen lernen. Aber all das kann man lernen, und wenn man das geschafft hat und mit sich selbst gern allein Zeit verbringt, dann ist Alleinsein eine Kraftquelle, und man tankt Energie für neue Aufgaben. Spazierengehen kann allein zum Beispiel sehr aufbauend wirken. Es gibt noch viele weitere Tätigkeiten, die Ruhe bringen.

Ich will hier keineswegs zu lebenslangem Müßiggang raten, denn der macht auch unglücklich. Jedoch ab und zu eine echte Auszeit von ein paar Stunden, die man mit sich selbst zubringt, kann dabei helfen, mit Stress und Belastungen entspannter umzugehen.

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