Equal Pay

Vor Jahren las ich einen klugen Artikel über die Karrieremöglichkeiten von Frauen im Vergleich zu Männern. Tenor war, dass Frauen dazu neigen, sich Studienfächer auszusuchen, die nicht so karriereträchtig sind. Mit Kunstgeschichte wird man nunmal nicht Vorstand. Ich fand es damals richtig, dass das mal gesagt wird, denn bei allem Idealismus muss man auch realistisch bleiben. Für bestimmte Positionen braucht man bestimmte Qualifikationen.

Die Hay Group hat nun eine Untersuchung veröffentlicht zur geschlechtsspezifischen Verteilung von Gehältern. Die in der Öffentlichkeit oft genannten Gehaltsgefällte zwischen Männern und Frauen zwischen 20 und 30 Prozent gibt es wirklich. Aber man muss sich auch ansehen, wie es mit der jeweiligen Stellenwertigkeit, Firmengröße, Job-Familie und Branche aussieht. Diese Erkenntnisse basieren auf einer Analyse von 294.000 Gehältern von Mitarbeitern in 353 Firmen.

Hier eine Zusammenfassung: http://www.haygroup.com/de/press/details.aspx?id=46002

Männer verdienen mehr als Frauen, weil sie in der Regel auch höhere Positionen erreichen bzw. lukrativere Jobs erhalten, die dann vielfach eher männliche Anforderungen haben. Sind die Tätigkeiten hingegen gleichwertig, ist der Unterschied in den Gehältern gar nicht so groß. Ganz ähnlich ist es bei den Faktoren Branche bzw. Generation oder Jobfamilie. Hier gibt es z.T. gar keine Unterschiede mehr.

Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich derartige Phänomene genau anzusehen. Es bringt nichts, über Gehaltsunterschiede zu klagen, wenn die Ursache ganz woanders liegt, z.B. darin, dass Frauen immer noch vielfach nicht gerade technische und betriebswirtschaftliche Fächer studieren bzw. die Familie ihre Karriere bremst. Ich bin persönlich überzeugt davon, dass Frauen sowohl das einzelne Unternehmen als auch die Gesamtwirtschaft voranbringen, dass sie sogar im internationalen Wettbewerb gebraucht werden. Allerdings brauchen wir hierfür die Bereitschaft, Frauen genauso weiterzuentwickeln wie Männer.

In vielen Unternehmen gelingt das schon. Trotzdem kämpfen Frauen weiterhin z.B. mit dem Umgang mit männlichen Regeln, das erlebe ich oft als Coach. Ich persönlich glaube, dass wir uns hier mehr öffnen sollten. Männer und Frauen arbeiten in einigen Themen nachweislich unterschiedlich, und das ist ein Vorteil.