Corona – jetzt muss ich auch mal was dazu sagen

Heute liest man von einem neuen Ausbruch in China, Rekordinfektionszahlen weltweit. und in Deutschland tun die Menschen so, als wäre Abstand egal und alles wieder normal.

Es ist aber nicht alles wieder gut.

Wir haben eine Pandemie, die ist nicht weg, nur weil wir sie in Deutschland gut eindämmen konnten. Es wird wieder gereist, die Menschen sitzen eng beeinander, es wird gefeiert und Abstand halten braucht doch keiner mehr….wirklich? Klar, es gibt auch vorsichtige Menschen, die allerdings von anderen fast irritiert angesehen werden.

Was ist das los? Es können doch nicht alle so dumm sein. Abgesehen davon, dass es natürlich auch Menschen geben mag, die das Thema wirklich nicht verstehen, ist es für viele offenbar sehr bedeutsam, endlich ihr scheinbar normales Leben wiederzuhaben.

Wir sind soziale Wesen, Isolation bekommt uns nicht gut. Wenn man die extravertierten Menschen unter uns isoliert, leiden sie viel mehr als die Introvertierten. Da unsere westliche Welt sehr extravertiert ausgerichtet ist, ist die Umstellung auf Reizarmut zu Hause für viele hart gewesen. Und mein Respekt gilt hierbei den Eltern, die zu Hause unterrichtet haben und gleichzeitig selber arbeiten mussten. Natürlich haben auch all die Menschen im Gesundheitsbereich und anderen systemrelevanten Bereichen Großartiges geleistet. Das ist keine Frage.

Was für viele sicher sehr ungewohnt war in der Phase des Lockdown, war, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. Auf einmal ist da keine externe Aktivität, die ablenkt und beschäftigt. Man ist zu Hause und mit sich allein. Vielleicht ist noch Partner oder Familie da, aber am Ende muss man sich mit sich selber und den anderen wirklich einmal auseinandersetzen. Das erzeugt Stress zusätzlich zur Angst vor Corona, zu finanziellen Sorgen wegen der Kurzarbeit, zu mehr Arbeit haben als man schaffen kann und was da alles auf uns einprasselte. Plötzlich sich selbst so ohne den üblichen Kontext zu sehen, kann irritieren, aber auch dabei helfen, sich selber näher zu kommen.

Keiner hat sich diese Krise gewünscht, jeder wartet darauf, dass das endlich ganz erledigt ist, z.B. durch eine Impfung. Dieses auf sich selbst zurückgeworfen Sein war aber auch eine Chance, ein unabhängigerer und reflektierter Mensch zu werden, mehr bei sich zu sein. Manche werden diese genutzt haben. Unsere Umwelt und die Natur haben die Pause wohl auch gebraucht.

Solidarität bedeutet auch, den eigenen Freiraum zu begrenzen zugunsten der Gemeinschaft und zugunsten Schwächerer. Natürlich genießt man den Freiraum, wenn er endlich wieder da ist.

Aber sollten wir nicht besonnener sein?

Gefährden wir uns und andere und auch den neu gewonnen Freiraum, wenn wir zu unvorsichtig werden?

Ist es nicht doch möglich, weiter Abstand zu halten?

Müssen wir während der Pandemie in Urlaub fliegen mit allen Risiken, die das Fliegen selbst hat, ganz abgesehen von dem Aufenthalt in anderen Ländern?

Können wir bescheidener und damit vielleicht sogar glücklicher sein, weil die einfachen Dinge viel mehr an Wert gewinnen?

Eine Krise geht auch vorbei, und je besonnener jeder einzelne handelt, desto besser.